Interview mit Carsten Pape zum neuen Album „Die große Liebe“
Von Jörg Reichenbach
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Ich bin zu Lotto und Pape gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde.
Damit meine ich, dass ich Lotto und Pape für eine Randerscheinung der Musikszene gehalten habe, die ein paar HSV Fans bedienen können und ein paar Mitgröhler die mindestens 2 Promille haben müssen.
Aber ich wurde eines besseren belehrt.
Da ich nicht mal HSV Fan bin, habe ich die beiden erst vor einem halben Jahr auf dem Kran im Stadion gesehen. Weil ein Freund mich mitgeschleppt hatte.
Ich bekam tatsächlich eine Gänsehaut als die beiden, vom ganzen Stadion lautstark unterstützt, „Hamburg meine Perle“
Ein so gemischtes Publikum hatte ich seit Jahren nicht mehr gesehen.
Von 7 bis 70 Jahren war alles vertreten.
Das erstaunliche aber für mich war, dass alle Songs von den verschiedensten Altersgruppen lautstark unterstützt wurden.
Ich kam mir wirklich in der völlig ausverkauften Großen Freiheit vor, als wenn ich der einzige im ganzen Saal wäre, der die Texte nicht kennt.
Völlig verrückt fand ich allerdings, dass auf der Bühne wirklich nur zwei Mann standen, die vor gut 1500 Zuhörern 2 ½ Stunden lang ein Konzert gaben,
welches in keiner Sekunde langweilig wurde.
Nur mit Akustik Gitarre und Schellenkranz bewaffnet!!
Keine Band, keine Tänzerinnen, keine Showtreppe!!
Nur Lotto & Pape eben und Songs die einen irgendwie berühren.
Nach dem Konzert sah ich Carsten Pape zwischen ein paar Fans stehen und Autogramme schreiben.
Ich sprach ihn einfach an und traf auf einen sehr höflichen und aufgeschlossenen
Zeitgenossen.
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Jetzt, ein paar Monate später, hörte ich, dass es wieder nach 4 Jahren Pause ein neues Album von Lotto & Pape geben wird.
Da mir Carsten Pape nach dem Konzert einfach seine Telefonnummer gab! konnte ich ihn anrufen und ohne mit einer Plattenfirma oder Management reden zu müssen einen Gesprächstermin mit ihm vereinbaren.
Vorher schickte er mir noch das neue Album „Die große Liebe“.
Wir trafen uns in einer kleinen Eckkneipe in Hamburg beim Bier.

J.R.: Vier Jahre sind vergangen seit eurem ersten Album „Freunde“.
Warum so lange?

Pape: (schmunzelt) Weil wir keinen Vertrag haben wo drin steht, ihr müsst jedes Jahr ein neues Album machen. Das ist der Untergang vieler guter Künstler.
Sie haben einfach nichts zu sagen und müssen auf Teufel komm raus ein neues Album machen. Nicht so bei uns und das ist auch gut so.

J.R.: Wie lange habt ihr denn konkret an dem Album gearbeitet?
Pape: Gut drei Monate im Studio. Aber mit Songs schreiben und Vorproduktion,
fast 1 Jahr.

J.R.: Was bedeutet dir euer neues Album?

Pape: (setzt den Hut ab und legt ihn vor sich auf den Tisch)
Es bedeutet mir wirklich sehr viel. Lotto und ich haben wirklich um jeden Song gekämpft. Wir haben uns da voll reingehängt. Wir hatten für das Album über dreißig Songs geschrieben. Einen Song zu schreiben, fällt Lotto und mir eigentlich gar nicht so schwer, aber die Songs wie jeden Abend auf der Bühne, auf einer Platte zum Leben zu erwecken, dass ist wirklich sehr schwer.
Wir wollten auf diesem Album einfach keinen Song drauf haben,
der irgendwie konstruiert klingt. Denn unsere Stärke sind Songs mit Refrains zu haben, die man mit Singen kann, ohne völlig verblödet sein zu müssen.
Ich habe mich so in die Produktion reingehängt, dass ich während des Abmischens
auch noch eine Gürtelrose bekommen hab.
Also bin ich fast 14 Tage ausgefallen. Dem Himmel sei Dank hatten wir mit Manne Uhlig einen Produzenten an unserer Seite, der unsere Ideen total klasse umgesetzt hat. Mehr noch, er hat dem Album den letzten Schliff gegeben.

J.R.: Stimmt es wirklich , dass ihr das Album auf einer Tonbandmaschine aufgenommen habt? Und wenn ja, warum?

Pape: Stimmt. Wir hatten das beim Freunde Album schon gemacht und gute Erfahrungen damit gesammelt. Wir finden so klingt es irgendwie wärmer.

J.R.: Vielleicht eine etwas dumme Frage an Dich, aber ich möchte sie dir trotzdem stellen. Warum machst du Musik?

Pape: ( setzt seinen Hut wieder auf und lehnt sich zurück)
So dumm finde ich die Frage gar nicht. Es ist ein innerer Drang.
Etwas das raus muss. Lieber einen schlechten Song schreiben, als blöd da zu sitzen und einfach nichts zu tun. Viele Texte sprudeln nur so aus Lotto und mir heraus und oft denkt man: Boh, das ist von uns?
Ich kann nur jedem Textdichter empfehlen, die erste Version des Textes immer auf zu bewahren. Denn der erste Gedanke ist von Gott.

J.R.: Bist du gläubig?

Pape: (lächelt wieder)
Wenn du meinst, ob ich in irgendeiner Kirche bin, kann ich dir das ganz klar mit einem Nein beantworten. Dennoch glaube ich an Gott. Das gibt mir Kraft und macht mich ausgeglichener. Gerade wenn es mir gut geht und alles prima läuft, versuche ich mich immer wieder dazu auf zu rufen nicht stolz, sondern eher Dankbar zu sein.
(macht eine kleine Pause und kratzt sich am Kinn)
Wenn Jesus heute noch mal auf die Welt kommen würde und in eine Kirche gehen könnte, würde er sich irgendwann fragen:
Über wen reden die hier eigentlich?

J.R.: Was ist das besondere an der Zusammenarbeit mit Lotto King Karl?

Pape: Alles! ( lacht lauthals los und angelt sich eine weitere Zigarette aus der Tasche) Unser blindes Verständnis auf der Bühne. Das er mich, obwohl wir jetzt schon fast 10 Jahre zusammenarbeiten, immer wieder überrascht und amüsiert.
Das die Gespräche die wir miteinander führen von Tiefsinnig bis Superbanal sind.
Vor allem aber, dass wir uns gegenseitig nicht die Luft nehmen.
Jeder gönnt dem anderen Erfolg, ohne unbedingt mit involviert sein zu müssen.
Aber das Beste ist, dass wir viel besser zusammenarbeiten, als ganz am Anfang und immer noch Spaß aneinander haben.

J.R.: Mit anderen Worten Perfekt?

Pape: Ach, du liebe Zeit. Was ist schon Perfekt?
Nein, Perfekt sind wir ganz bestimmt nicht. Wir sind eher die Meister der Improvisation und verzeihen dem anderen immer ein paar Fehler.

J.R.: Was erwartest du von eurem neuen Album?

Pape: (zieht an seiner Zigarette und macht eine kleine Denkpause)
Was erwarte ich? Ich hoffe auf jeden Fall, dass viele Menschen Lust auf unsere neuen Stücke haben und das Lotto und ich in ein paar Jahren, dass Album „Die große Liebe“ aus dem Schrank nehmen und uns die Songs im Nach hinein nicht peinlich sind. Sondern eher an gute alte Zeiten erinnern.

J.R.: Wie wäre es für euch, wenn viele eurer Fans enttäuscht von diesem Album wären?

Pape: Puh, dass wäre sicherlich schlimm für uns. Dennoch könnten wir uns keinen Vorwurf machen, denn wir haben wirklich alles gegeben.
Ich wäre mit Sicherheit ziemlich traurig, aber ein Ohr abschneiden würde ich mir trotzdem nicht.

J.R.: Du redest immer von eurer neuen Platte, also ich mein.....

Pape: (schiebt den Hut in den Nacken und lächelt mich breit grinsend an)
Ja, die große Liebe erscheint auch auf Vinyl.
Das war wirklich ein großer Wusch von mir, denn ich höre zu Hause nur Vinyl.
Für mich als Künstler ist das so, als wenn du wirklich dein gemaltes Bild in den Händen halten würdest und nicht irgendeinen Druck.
Vinyl klingt auch viel geiler als CD.
Ich stelle hier mal die gewagte These auf, dass die CD spätestens in 5 Jahren völlig vom Markt verschwunden sein wird. Die Schallplatte aber wird bleiben!

J.R.: Was denkst du über illegales Downloaden oder Raubkopien?

Pape: ( zuckt mit den Schultern)
Da bin ich irgendwie ein bisschen hin und her gerissen. Also, wenn jemand zu mir sagt: Du Pape, ich hab mir eure Musik illegal aus dem Netz gesogen, weil ich einfach keine Kohle hab, ist das ja irgendwie Okay.
Wenn aber der gleiche Typ, für einen verschissenen Klingelton auf seinem Handy
5 Euro im Monat bezahlt, finde ich das zum Kotzen.

J.R.: Wie setzt ihr eure neuen Stücke denn Live um?

Pape: So, wie wir es immer gemacht haben.
Zu zweit. Denn für uns ist wichtig, dass die Songs immer nachvollziehbar bleiben.
Das heißt: Das die Songs die wir geschrieben haben,
auch mit Akustik Gitarre und Schellenkranz zum Leben erweckt werden können.
Wir wollen bei Live Auftritten eine Nähe zu unserem Publikum aufbauen.
Das können wir am besten, wenn wir angreifbar sind.
Das bedeutet, dass wir einen besonderen Moment schaffen möchten, wenn wir auf der Bühne stehen und nicht unsre Platte rekonstruieren.
Ich finde nichts langweiliger als Bands, die sich wie eine programmierte Drum Maschine auf der Bühne verhalten, um ja keinen Fehler zu machen.

J.R.: Ihr habt als letztes Musikstück auf eurer CD „ Hamburg meine Perle“
in der München Fassung. Habt ihr das zum Kaufanreiz für HSV Fans mit drauf oder was habt ihr euch dabei gedacht?

Pape: Wir haben uns folgendes dabei gedacht. Wenn du eine Platte „Die große Liebe“ nennst, dann muss auch Hamburg meine Perle drauf sein, denn wir haben dem HSV und vor allen Dingen auch den HSV Fans sehr viel zu verdanken.
Außerdem handelt es sich dabei ja um die Aufnahme vom 30.01.09, wo wir die Bayern 1:0 geschlagen haben. (grinst wieder)
Dirk Böge sagt ein falsches Datum bei seiner Ansage.
Aber das stellt er auf dem letzten Track des Albums ja richtig.

J.R.: Ich Bedanke mich für dieses Gespräch.

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Live Termine

Feuerbrüder

11. Oktober
Molotow / Reeperbahn

13. Dezember
Molotow / Reeperbahn
 

Papes Brüder

4. 9. 2010
MTV Horst
Horst
21 Uhr
Einlass ab 19.30

07.09.10
IFA Berlin
13 UHR

15.09.10
NDR2 Radio - Soundcheck
21 Uhr Live Interview mit
Pape und Vorstellung des Albums

17.09.10
Hamburger Stadtpark

18.09,.10
Hamburger Stadtpark

05.11.10
RTL Chartshow
20 Uhr 15

 

Lotto und Pape

3. September 2010
Hotel zur Heidschnucke
Asendorf

24. September 2010
Zeltfest
Sievershütten
 
15. Oktober 2010
Stadthalle Niebüll
Niebüll